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<title>Die Tagebuecher Franz Kafkas</title>
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<language>de</language>
<copyright>Copyright 2007</copyright>
<lastBuildDate>Sat, 10 Feb 2007 17:11:38 -0800</lastBuildDate>
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<title><![CDATA[J&uuml;dinnen (2)]]></title>
<description><![CDATA[<p>Wir sind jetzt fast gew&ouml;hnt, in westeurop&auml;ischen Erz&auml;hlungen, sobald sie nur einige Gruppen von Juden umfassen wollen, unter oder &uuml;ber der Darstellung gleich auch die L&ouml;sung der Judenfrage zu suchen und zu finden. In den J&uuml;dinnen nun wird eine solche L&ouml;sung nicht gezeigt ja nicht einmal vermuthet, denn gerade jene Personen, die sich mit solchen Fragen besch&auml;ftigen stehen in der Erz&auml;hlung weiter vom Mittelpunkt ab, dort wo die Ereignisse sich schon rascher drehn, so da&szlig; wir sie zwar noch genau beobachten k&ouml;nnen, aber keine Gelegenheit mehr finden, um von ihnen eine ruhige Auskunft &uuml;ber ihre Bestrebungen zu erhalten. Kurz entschlossen erkennen wir darin einen Mangel der Erz&auml;hlung und f&uuml;hlen uns zu einer solchen Ausstellung umso mehr berechtigt, als heute seit dem Dasein des Zionismus die L&ouml;sungsm&ouml;glichkeiten so klar um das j&uuml;dische Problem herum angeordnet sind, da&szlig; der Schriftsteller schlie&szlig;lich nur einige Schritte h&auml;tte machen m&uuml;ssen, um die seiner Erz&auml;hlung gem&auml;&szlig;e L&ouml;sungsm&ouml;glichkeit zu finden.</p>

<p>Dieser Mangel entspringt aber noch einem andern. Den J&uuml;dinnen fehlen die nichtj&uuml;dischen Zuschauer, die angesehenen gegens&auml;tzlichen Menschen, die in andern Erz&auml;hlungen das J&uuml;dische herauslocken, da&szlig; es gegen sie vordringt, in Verwunderung, Zweifel, Neid Schrecken und endlich, endlich in Selbstvertrauen versetzt wird, jedenfalls sich aber erst ihnen gegen&uuml;ber in seiner ganzen L&auml;nge aufrichten kann. Das eben verlangen wir, eine andere Aufl&ouml;sung von Judenmassen erkennen wir nicht an. Auch berufen wir uns auf dieses Gef&uuml;hl nicht nur in diesem Fall, es ist in einer Richtung wenigstens allgemein. So freut uns auch auf einem Fu&szlig;weg in Italien das Aufzucken der Eidechsen vor unsern Schritten ungemein immerfort m&ouml;chten wir uns b&uuml;cken, sehn wir sie aber bei einem H&auml;ndler zu Hunderten in den gro&szlig;en Flaschen durcheinanderkriechen in denen man sonst Gurken einzulegen pflegt so wissen wir uns nicht einzurichten</p>

<p>Beide M&auml;ngel vereinigen sich zu einem dritten. Die &#171;J&uuml;dinnen&#187; k&ouml;nnen jenen vordersten J&uuml;ngling entbehren, der sonst innerhalb seiner Erz&auml;hlung die besten zu sich rei&szlig;t und in sch&ouml;ner radialer Richtung an die Grenzen des j&uuml;dischen Kreises f&uuml;hrt. Das eben will uns nicht eingehn, da&szlig; diesen J&uuml;ngling die Erz&auml;hlung entbehren kann, hier ahnen wir einen Fehler mehr, als da&szlig; wir ihn sehn.]]></description>
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<category>1911.03</category>
<pubDate>Sat, 10 Feb 2007 17:11:38 -0800</pubDate>
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<title><![CDATA[J&uuml;dinnen (1)]]></title>
<description><![CDATA[<p>Da sich der Leser gew&ouml;hnt hat, in den westeurop&auml;ischen zeitgen&ouml;ssischen Judenerz&auml;hlungen gleich unter oder &uuml;ber der Erz&auml;hlung auch die L&ouml;sung der Judenfrage zu suchen und zu finden, in den &#171;J&uuml;dinnen&#187; aber eine solche L&ouml;sung nicht gezeigt und nicht einmal vermuthet wird, so ist es m&ouml;glich da&szlig; der Leser kurz entschlossen darin einen Mangel der &#171;J&uuml;dinnen&#187; erkennt, und nur ungern zusieht wenn Juden im Tageslicht herumgehn sollen ohne politische Aufmunterung aus Vergangenheit oder Zukunft. Er mu&szlig; sich hiebei sagen, da&szlig;, besonders seit dem Aufkommen des Zionismus, die L&ouml;sungsm&ouml;glichkeiten um das j&uuml;dische Problem herum, so klar angeordnet liegen, da&szlig; es schlie&szlig;lich nur einer K&ouml;rperwendung des Schriftstellers bedarf um eine bestimmte, dem vorliegenden Teil des Problems gem&auml;&szlig;e L&ouml;sung zu finden.]]></description>
<link>http://kafka.metameat.net/archives/191103.php?de#000133</link>
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<category>1911.03</category>
<pubDate>Mon, 05 Feb 2007 09:51:27 -0800</pubDate>
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<title>Mein Besuch bei Dr. Steiner</title>
<description><![CDATA[<p>Mein Besuch bei Dr. Steiner.</p>

<p>Eine Frau wartet schon (oben im 2. Stock des Viktoriahotel in der Jungmannsstra&szlig;e) bittet mich aber dringend vor ihr hineinzugehn. Wir warten. Die Sekret&auml;rin kommt und vertr&ouml;stet uns. In einem Korridordurchblick sehe ich ihn. Gleich darauf kommt er mit halb ausgebreiteten Armen auf uns zu. Die Frau erkl&auml;rt, ich sei zuerst dagewesen. Ich geh nun hinter ihm wie er mich in sein Zimmer f&uuml;hrt. Sein an Vortragabenden wie gewichst schwarzer Kaiserrock, (nicht gewichst, sondern nur durch sein reines Schwarz gl&auml;nzend) ist jetzt bei Tageslicht (3&#187; nachmittag) besonders auf R&uuml;cken und Achseln staubig und sogar fleckig. In seinem Zimmer suche ich meine Demut, die ich nicht f&uuml;hlen kann, durch Aufsuchen eines l&auml;cherlichen Platzes f&uuml;r meinen Hut zu zeigen; ich lege ihn auf ein kleines Holzgestell zum Stiefelschn&uuml;ren. Tisch in der Mitte, ich sitze mit dem Blick zum Fenster, er an der linken Seite des Tisches. Auf dem Tisch etwas Papiere mit paar Zeichnungen, die an jene der Vortr&auml;ge &uuml;ber okkulte Physiologie erinnern. Ein Heftchen Annalen f&uuml;r Naturphilosophie bedeckt einen kleinen Haufen B&uuml;cher, die auch sonst herumzuliegen scheinen. Nur kann man nicht herumschauen, da er einen mit seinem Blick immer zu halten versucht. Tut er es aber einmal nicht, so mu&szlig; man auf die Wiederkehr des Blickes aufpassen. Er beginnt mit einigen losen S&auml;tzen: Sie sind doch der Dr. Kafka Haben Sie sich schon l&auml;nger mit Teosophie besch&auml;ftigt? Ich aber dringe mit meiner vorbereiteten Ansprache vor: Ich f&uuml;hle wie ein gro&szlig;er Teil meines Wesens zur Teosophie hinstrebt, gleichzeitig aber habe ich vor ihr die h&ouml;chste Angst. Ich bef&uuml;rchte n&auml;mlich von ihr eine neue Verwirrung, die f&uuml;r mich sehr arg w&auml;re, da eben schon mein gegenw&auml;rtiges Ungl&uuml;ck nur aus Verwirrung besteht. Diese Verwirrung liegt in Folgendem: Mein Gl&uuml;ck, meine F&auml;higkeiten und jede M&ouml;glichkeit irgendwie zu n&uuml;tzen liegen seit jeher im Litterarischen. Und hier habe ich allerdings Zust&auml;nde erlebt (nicht viele) die meiner Meinung nach den von Ihnen Herr Doktor beschriebenen hellseherischen Zust&auml;nden sehr nahestehen, in welchen ich ganz und gar in jedem Einfall wohnte, aber jeden Einfall auch erf&uuml;llte und in welchen ich mich nicht nur an meinen Grenzen f&uuml;hlte, sondern an den Grenzen des Menschlichen &uuml;berhaupt. Nur die Ruhe der Begeisterung, wie sie dem Hellseher wahrscheinlich eigen ist, fehlte doch jenen Zust&auml;nden, wenn auch nicht ganz. Ich schlie&szlig;e dies daraus, da&szlig; ich das Beste meiner Arbeiten nicht in jenen Zust&auml;nden geschrieben habe. – Diesem Literarischen kann ich mich nun nicht vollst&auml;ndig hingeben, wie es sein m&uuml;&szlig;te, undzwar aus verschiedenen Gr&uuml;nden nicht. Abgesehen von meinen Familienverh&auml;ltnissen k&ouml;nnte ich von der Litteratur schon infolge des langsamen Entstehens meiner Arbeiten und ihres besonderen Charakters nicht leben; &uuml;berdies hindert mich auch meine Gesundheit und mein Charakter daran, mich einem im g&uuml;nstigsten Falle ungewissen Leben hinzugeben. Ich bin daher Beamter in einer socialen Versicherungsanstalt geworden. Nun k&ouml;nnen diese zwei Berufe einander niemals ertragen und ein gemeinsames Gl&uuml;ck zulassen. Das kleinste Gl&uuml;ck in einem wird ein gro&szlig;es Ungl&uuml;ck im zweiten. Habe ich an einem Abend gutes geschrieben, brenne ich am n&auml;chsten Tag im Bureau und kann nichts fertig bringen. Dieses Hinundher wird immer &auml;rger.</p>

<p>Im Bureau gen&uuml;ge ich &auml;u&szlig;erlich meinen Pflichten, meinen innern Pflichten aber nicht und jede nichterf&uuml;llte innere Pflicht wird zu einem Ungl&uuml;ck, das sich aus mir nicht mehr r&uuml;hrt. Und zu diesen zwei nie auszugleichenden Bestrebungen soll ich jetzt die Teosophie als dritte f&uuml;hren? Wird sie nicht nach beiden Seiten hin st&ouml;ren und selbst von beiden gest&ouml;rt werden? Werde ich, ein gegenw&auml;rtig schon so ungl&uuml;cklicher Mensch die 3 zu einem Ende f&uuml;hren k&ouml;nnen? Ich bin gekommen Herr Doktor Sie das zu fragen, denn ich ahne, da&szlig;, wenn Sie mich dessen f&uuml;r f&auml;hig halten, ich es auch wirklich auf mich nehmen kann.</p>

<p>Er h&ouml;rte &auml;u&szlig;erst aufmerksam zu, ohne mich offenbar im geringsten zu beobachten, ganz meinen Worten hingegeben. Er nickte von Zeit zu Zeit, was er scheinbar f&uuml;r ein Hilfsmittel einer starken Koncentration h&auml;lt. Am Anfang st&ouml;rte ihn ein stiller Schnupfen, es rann ihm aus der Nase, immerfort arbeitete er mit dem Taschentuch bis tief in die Nase hinein, einen Finger an jedem Nasenloch]]></description>
<link>http://kafka.metameat.net/archives/191103.php?de#000132</link>
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<category>1911.03</category>
<pubDate>Sun, 04 Feb 2007 09:49:37 -0800</pubDate>
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<title><![CDATA[Da&szlig; ich Dr. Steiner aufsuchen werde]]></title>
<description><![CDATA[<p>28. III 11. Maler Pollak-Karlin, seine Frau zwei breite gro&szlig;e Vorderz&auml;hne oben, die das gro&szlig;e eher flache Gesicht zuspitzen, Frau Hofrath Bittner, Mutter des Komponisten, der das Alter ihr starkes Knochenger&uuml;st so hervortreibt, da&szlig; sie zumindest im Sitzen wie ein Mann aussieht: – Dr. Steiner wird so sehr von seinen abwesenden Sch&uuml;lern in Anspruch genommen – Beim Vortrag dr&auml;ngen sich die Toten so sehr an ihn. Wi&szlig;begierde? Haben sie es aber eigentlich n&ouml;tig. Offenbar doch. – Schl&auml;ft 2 Stunden. Seitdem man ihm einmal das Elektrische Licht eingestellt hat, hat er immer eine Kerze bei sich. – Er stand Christus sehr nahe. – Er f&uuml;hrte in M&uuml;nchen sein Teaterst&uuml;ck auf. (&#187;Da kannst Du es ein Jahr lang studieren und verstehst es nicht&#187;) die Kleider hat er gezeichnet, die Musik geschrieben. – Einen Chemiker hat er belehrt. – L&ouml;wy Simon Seidenh&auml;ndler in Paris Quai Moncey hat von ihm die besten gesch&auml;ftlichen Ratschl&auml;ge bekommen. Er hat seine Werke ins Franz&ouml;sische &uuml;bersetzt. Die Hofr&auml;tin hatte daher in ihrem Notizbuch stehn &#171;Wie erlangt man die Erkenntnis h&ouml;herer Welten? bei S. L&ouml;wy in Paris.&#187; – In der Wiener Loge ist ein Theosoph 65 Jahre alt, riesig stark, fr&uuml;her ein gro&szlig;er Trinker mit dickem Kopf, der immerfort glaubt und immerfort Zweifel hat. Es soll sehr lustig gewesen sein, wie er einmal bei einem Kongre&szlig; in Budapest bei einem Nachtmahl auf dem Blocksberg an einem Mondscheinabend, als unerwartet Dr. Steiner in die Gesellschaft kam, vor Schrecken mit seinem Kr&uuml;gel hinter einem Bierfa&szlig; sich versteckte (trotzdem Dr. Steiner dar&uuml;ber nicht b&ouml;se gewesen w&auml;re) – Er ist vielleicht nicht der gr&ouml;&szlig;te gegenw&auml;rtige Geistesforscher, aber er allein hat die Aufgabe bekommen die Theosophie mit der Wissenschaft zu vereinigen. Daher wei&szlig; er auch alles. –</p>

<p>In sein Heimatsdorf kam einmal ein Botaniker, ein gro&szlig;er okkulter Meister. Der erleuchtete ihn. – Da&szlig; ich Dr. Steiner aufsuchen werde, wurde mir von der Dame als beginnende R&uuml;ckerinnerung ausgelegt. – Der Arzt der Dame hat, als sich bei ihr die Anf&auml;nge einer Influenza zeigten, Dr. Steiner um ein Mittel gefragt, dieses der Dame verschrieben und sie damit gleich gesund gemacht – Eine Franz&ouml;sin verabschiedete sich von ihm mit &#171;Au revoir&#187;. Er sch&uuml;ttelte hinter ihr die Hand. Nach 2 Monaten starb sie. Noch ein &auml;hnlicher M&uuml;nchner Fall. – Ein M&uuml;nchner Arzt heilt mit Farben, die Dr. Steiner bestimmt. Er schickt auch Kranke in die Pinakothek mit der Vorschrift vor einem bestimmten Bild eine halbe Stunde oder l&auml;nger sich zu koncentrieren. – Atlantische Weltuntergang, lemurische Untergang und jetzt der durch Egoismus. – Wir leben in einer entscheidenden Zeit. Der Versuch des Dr. Steiner wird gelingen, wenn nur die arrhimanischen Kr&auml;fte nicht &uuml;berhand nehmen. – Er i&szlig;t 2 Liter Mandelmilch und Fr&uuml;chte, die in der H&ouml;he wachsen. – Er verkehrt mit seinen abwesenden Sch&uuml;lern vermittelst Denkformen, die er zu ihnen ausschickt, ohne sich nach der Erzeugung weiter mit ihnen zu besch&auml;ftigen. Sie n&uuml;tzen sich aber bald ab und er mu&szlig; sie wieder herstellen – Frau Fanta: Ich habe ein schlechtes Ged&auml;chtnis. Dr. St. Essen Sie keine Eier.]]></description>
<link>http://kafka.metameat.net/archives/191103.php?de#000131</link>
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<category>1911.03</category>
<pubDate>Fri, 01 Dec 2006 09:41:52 -0800</pubDate>
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<title><![CDATA[Teosophische Vortr&auml;ge des Dr. Rudolf Steiner]]></title>
<description><![CDATA[<p>26 III 11</p>

<p>Teosophische Vortr&auml;ge des Dr. Rudolf Steiner Berlin. Retorische Wirkung: Behagliche Besprechung der Einw&auml;nde der Gegner, der Zuh&ouml;rer staunt &uuml;ber diese starke Gegnerschaft, weitere Ausf&uuml;hrung und Belobung dieser Einw&auml;nde, der Zuh&ouml;rer ger&auml;th in Sorge, v&ouml;llige Versenkung in diese Einw&auml;nde als gebe es sonst nichts, der Zuh&ouml;rer h&auml;lt jetzt eine Widerlegung &uuml;berhaupt f&uuml;r unm&ouml;glich und ist mit einer fl&uuml;chtigen Beschreibung der Verteidigungsm&ouml;glichkeit mehr als zufriedengestellt.</p>

<p>Dieser rhetorische Effekt entspricht &uuml;brigens der Vorschrift der devotionellen Stimmung. – Dauerndes Anschauen der Fl&auml;che der vorgehaltenen Hand. – Auslassen des Schlu&szlig;punktes. Im allgemeinen f&auml;ngt der gesprochene Satz mit seinem gro&szlig;en Anfangsbuchstaben beim Redner an, biegt sich in seinem Verlaufe so weit er kann zu den Zuh&ouml;rern hinaus und kehrt mit dem Schlu&szlig;punkt zu dem Redner zur&uuml;ck. Wird aber der Punkt ausgelassen, dann weht der nicht mehr gehaltene Satz unmittelbar mit ganzem Atem den Zuh&ouml;rer an.</p>

<p>fr&uuml;her Vortrag Loos und Kraus.]]></description>
<link>http://kafka.metameat.net/archives/191103.php?de#000130</link>
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<category>1911.03</category>
<pubDate>Mon, 27 Nov 2006 10:38:54 -0800</pubDate>
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<title><![CDATA[Die st&auml;dtische Welt]]></title>
<description><![CDATA[<p>Die st&auml;dtische Welt.</p>

<p>Oskar M. ein &auml;lterer Student – wenn man ihn nahe ansah, erschrak man vor seinen Augen – blieb an einem Winternachmittag mitten im Schneefall auf einem leeren Platze stehn in seinen Winterkleidern mit dem Winterrock dar&uuml;ber einem Shawl um den Hals und einer Fellm&uuml;tze auf dem Kopf. Er zwinkerte mit den Augen vor Nachdenken. So sehr hatte er sich in Gedanken verlassen, da&szlig; er einmal die M&uuml;tze abnahm und mit ihrem krausen Fell sich &uuml;ber das Gesicht strich. Endlich schien er zu einem Schlu&szlig; gekommen und wendete sich mit einer Tanzdrehung zum Heimweg. Als er die T&uuml;r des elterlichen Wohnzimmers &ouml;ffnete, sah er seinen Vater einen glattrasierten Mann mit schwerem Fleischgesicht der T&uuml;r zugekehrt an einem leeren Tische sitzen. &#171;Endlich&#187; sagte dieser kaum da&szlig; Oskar den Fu&szlig; ins Zimmer gesetzt hatte bleib ich bitte Dich bei der T&uuml;r, ich habe n&auml;mlich eine solche Wut auf Dich, da&szlig; ich meiner nicht sicher bin. Aber Vater sagte Oskar und merkte erst beim Reden wie er gelaufen war. Ruhe schrie der Vater und stand auf, wodurch er ein Fenster verdeckte. Ruhe befehle ich. Und Deine Aber la&szlig; Dir, verstehst Du. Dabei nahm er den Tisch mit beiden H&auml;nden und trug ihn einen Schritt Oskar n&auml;her. Dein Lotterleben ertrage ich einfach nicht l&auml;nger. Ich bin ein alter Mann. In Dir dachte ich einen Trost des Alters zu haben, indessen bist Du f&uuml;r mich &auml;rger als alle meine Krankheiten. Pfui &uuml;ber einen solchen Sohn, der durch Faulheit, Verschwendung, Bosheit, und Dummheit seinen alten Vater ins Grab dr&auml;ngt. Hier verstummte der Vater, bewegte aber sein Gesicht, als rede er noch. Lieber Vater sagte Oskar und gieng vorsichtig dem Tisch zu, beruhige Dich, alles wird gut werden. Ich habe heute einen Einfall gehabt, der mich zu einem t&auml;tigen Menschen machen wird, wie Du es Dir nur w&uuml;nschen kannst. Wie das? fragte der Vater und sah in eine Zimmerecke. Vertraue mir nur, beim Abendessen werde ich Dir alles erkl&auml;ren. In meinem Innern war ich immer ein guter Sohn, nur da&szlig; ich es nach au&szlig;en nicht zeigen konnte, verbitterte mich so, da&szlig; ich Dich lieber &auml;rgerte, wenn ich Dich schon nicht erfreuen konnte. Jetzt aber la&szlig; mich noch ein wenig spazieren gehn damit sich meine Gedanken klarer entwickeln. Der Vater, der sich zuerst aufmerksam werdend auf den Tischrand gesetzt hatte, stand auf: Ich glaube nicht, da&szlig; das, was Du jetzt gesagt hast viel Sinn hat, ich halte es eher f&uuml;r Geschw&auml;tz. Aber schlie&szlig;lich bist Du mein Sohn – Komm rechtzeitig wir werden zuhause nachtmahlen und Du kannst Deine Sache dann vortragen. Dieses kleine Vertrauen gen&uuml;gt mir, ich bin Dir daf&uuml;r vom Herzen dankbar. Aber ist es denn nicht schon an meinen Blicken zu sehn, da&szlig; ich mit einer ernsten Sache vollkommen besch&auml;ftigt bin? Ich sehe vorl&auml;ufig nichts sagte der Vater. Aber es kann auch meine Schuld sein, denn ich bin aus der &Uuml;bung gekommen, Dich &uuml;berhaupt anzusehn. Dabei machte er, wie es seine Gewohnheit war, durch regelm&auml;&szlig;iges Beklopfen der Tischplatte darauf aufmerksam, wie die Zeit vergieng. Die Hauptsache aber ist, da&szlig; ich gar kein Vertrauen mehr zu Dir habe Oskar. Wenn ich Dich einmal anschreie – wie Du gekommen bist, habe ich Dich doch angeschrien? nicht wahr? – so tue ich das nicht in der Hoffnung, es k&ouml;nnte Dich bessern, ich tue es nur in Gedanken an Deine arme gute Mutter, die jetzt vielleicht noch kein unmittelbares Leid &uuml;ber Dich versp&uuml;rt, aber schon an der Anstrengung, ein solches Leid abzuwehren, denn sie glaubt Dir dadurch irgendwie zu helfen, langsam zugrundegeht. Aber schlie&szlig;lich sind das ja Sachen die Du sehr gut wei&szlig;t und ich h&auml;tte schon aus R&uuml;cksicht auf mich nicht wieder an sie erinnert, wenn Du mich durch Deine Versprechungen nicht dazu gereizt h&auml;ttest. W&auml;hrend der letzten Worte trat das Dienstm&auml;dchen ein, um nach dem Feuer im Ofen zu sehn. Kaum hatte sie das Zimmer verlassen, als Oskar ausrief: Aber Vater! Ich h&auml;tte das nicht erwartet. Wenn ich nur einen kleinen Einfall gehabt h&auml;tte, sagen wir, einen Einfall zu meiner Dissertation, die ja doch schon 10 Jahre in meinem Kasten liegt und Einf&auml;lle braucht wie Salz so ist m&ouml;glich wenn auch nicht wahrscheinlich, da&szlig; ich wie es heute geschehen ist, vom Spaziergang nach Hause gelaufen w&auml;re und gesagt h&auml;tte: Vater ich habe gl&uuml;cklicherweise diesen und diesen Einfall. Wenn Du daraufhin mit Deiner ehrw&uuml;rdigen Stimme die Vorw&uuml;rfe von vorhin mir ins Gesicht gesagt h&auml;ttest, dann w&auml;re mein Einfall einfach weggeblasen gewesen und ich h&auml;tte sofort mit irgendeiner Entschuldigung oder ohne solche abmarschieren m&uuml;ssen. Jetzt dagegen! Alles was Du gegen mich sagst, hilft meinen Ideen, sie h&ouml;ren nicht auf, stark werdend f&uuml;llen sie mir den Kopf. Ich werde gehn, weil ich nur im Alleinsein Ordnung in sie bringen kann. Er schluckte an seinem Athem in dem warmen Zimmer. Es kann ja auch eine Lumperei sein, die Du im Kopf hast sagte der Vater mit gro&szlig;en Augen dann glaube ich schon, da&szlig; sie Dich festh&auml;lt. Wenn sich aber etwas T&uuml;chtiges in Dich verirrt hat, entlauft es Dir &uuml;ber Nacht. Ich kenne Dich. Oskar drehte den Kopf, als halte man ihn am Halse. La&szlig; mich jetzt. Du bohrst &uuml;berfl&uuml;ssiger Weise in mich hinein. Die blo&szlig;e M&ouml;glichkeit, da&szlig; Du mein Ende richtig voraussagen kannst, sollte Dich wahrhaftig nicht dazu verlocken, mich in meiner guten &Uuml;berlegung zu st&ouml;ren. Vielleicht gibt Dir meine Vergangenheit das Recht dazu, aber Du solltest es nicht ausn&uuml;tzen. Da siehst Du am besten, wie gro&szlig; Deine Unsicherheit sein mu&szlig;, wenn sie Dich dazu zwingt, so gegen mich zu sprechen. Nichts zwingt mich sagte Oskar und zuckte im Genick. Er trat auch ganz eng an den Tisch heran, so da&szlig; man nicht mehr wu&szlig;te wem er geh&ouml;rte. Was ich sagte, sagte ich in Ehrfurcht und sogar aus Liebe zu Dir, wie Du sp&auml;ter noch sehen wirst, denn an meinen Entschl&uuml;ssen hat die R&uuml;cksichtnahme auf Dich und Mama den gr&ouml;&szlig;ten Anteil. Da mu&szlig; ich Dir schon jetzt danken sagte der Vater da es ja sehr unwahrscheinlich ist, da&szlig; Deine Mutter und ich im rechten Augenblick noch dessen f&auml;hig sein werden. Bitte Vater la&szlig; doch die Zukunft noch schlafen, wie sie es verdient. Wenn man sie n&auml;mlich vorzeitig weckt, bekommt man dann eine verschlafene Gegenwart. Da&szlig; Dir das aber erst Dein Sohn sagen mu&szlig;. Auch wollte ich Dich ja noch nicht &uuml;berzeugen, sondern Dir nur die Neuigkeit melden. Und das wenigstens ist mir, wie Du selbst zugeben mu&szlig;t gelungen. Jetzt Oskar wundert mich eigentlich noch eins: warum Du mit einer solchen Sache wie heute nicht schon &ouml;fters zu mir gekommen bist. Sie entspricht so Deinem bisherigen Wesen. Nein tats&auml;chlich, es ist mein Ernst.</p>

<p>Ja h&auml;ttest Du mich dann durchgehaut statt mir zuzuh&ouml;ren. Ich bin hergelaufen, das wei&szlig; Gott, um Dir rasch eine Freude zu machen. Verraten kann ich Dir aber nichts solange mein Plan nicht vollst&auml;ndig fertig ist. Warum strafst Du mich also f&uuml;r meine gute Absicht und willst von mir Erkl&auml;rungen haben, die jetzt noch der Ausf&uuml;hrung meines Planes schaden k&ouml;nnten.</p>

<p>Schweig ich will gar nichts wissen. Aber ich mu&szlig; Dir sehr rasch antworten, weil Du Dich zur T&uuml;r zur&uuml;ckziehst und offenbar etwas sehr Dringendes vorhast: Meine erste Wut hast Du mit Deinem Kunstst&uuml;ck beruhigt, &#151; nur mir ist jetzt noch trauriger zu Mut als fr&uuml;her und deshalb bitte ich Dich – wenn Du darauf bestehst kann ich auch die H&auml;nde falten – sage wenigstens der Mutter nichts von Deinen Ideen. La&szlig; es mit mir genug sein.</p>

<p>Das ist ja nicht mein Vater der so mit mir spricht rief Oskar, der den Arm schon auf die T&uuml;rklinke gelegt hatte. Es ist seit Mittag etwas mit Dir vorgegangen oder Du bist ein fremder Mensch, dem ich jetzt zum erstenmal im Zimmer meines Vaters begegne. Mein wirklicher Vater – Oskar schwieg einen Augenblick mit offenem Mund – er h&auml;tte mich doch umarmen m&uuml;ssen, er h&auml;tte die Mutter hergerufen. Was hast Du Vater?</p>

<p>Du solltest lieber mit Deinem wirklichen Vater nachtmahlen, mein ich. Es w&uuml;rde vergn&uuml;gter zugehn.</p>

<p>Er wird schon kommen. Schlie&szlig;lich kann er nicht ausbleiben. Und die Mutter mu&szlig; dabei sein. Und Franz den ich jetzt hole. Alle. Darauf dr&auml;ngte Oskar mit der Schulter gegen die leicht aufgehende T&uuml;re, als habe er sich vorgenommen, sie einzudr&uuml;cken.</p>

<p>In Franzens Wohnung angekommen beugte er sich zur kleinen Hauswirtin mit den Worten: Der Herr Ingenieur schl&auml;ft ich wei&szlig;, das macht nichts, und ohne sich um die Frau zu k&uuml;mmern, die aus Unzufriedenheit mit dem Besuch nutzlos im Vorzimmer auf und ab gieng, &ouml;ffnete er die Glast&uuml;r, die als sei sie an einer empfindlichen Stelle gefa&szlig;t in seiner Hand erzitterte und rief unbek&uuml;mmert um das Innere des Zimmers, das er noch kaum sah: Franz, aufstehn. Ich brauch Deinen fachm&auml;nnischen Rat. Aber hier im Zimmer halte ich es nicht aus, wir m&uuml;ssen ein bischen spazierengehn, Du mu&szlig;t auch bei uns nachtmahlen. Also rasch. Sehr gern sagte der Ingenieur von seinem Lederkanapee her aber was zuerst aufstehn nachtmahlen spazierengehn, Ratgeber Einiges werde ich auch &uuml;berh&ouml;rt haben. Vor allem keine Witze machen Franz. Das ist das Wichtigste, das habe ich vergessen. Den Gefallen mach ich Dir sofort. Aber das Aufstehn – Ich w&uuml;rde lieber zweimal f&uuml;r Dich nachtmahlen als einmal aufstehn. Also jetzt auf! Keine Widerrede. Oskar fa&szlig;te den schwachen Menschen vorn beim Rock und setzte ihn auf. Du bist aber rabiat wei&szlig;t Du. Alle Achtung. Er wischte sich mit beiden kleinen Fingern die geschlossenen Augen aus. Sag. Hab ich dich schon einmal so vom Kanape gerissen. Aber Franz sagte Oskar mit verzogenem Gesicht zieh Dich schon an. Ich bin doch kein Narr, da&szlig; ich Dich ohne Grund geweckt h&auml;tte. – Ebenso habe ich auch nicht ohne Grund geschlafen. Ich habe gestern Nachtdienst gehabt, dann bin ich heute schon um meinen Mittagsschlaf gekommen, auch Deinetwegen – Wieso? Ach was, es &auml;rgert mich schon, wie wenig R&uuml;cksicht Du auf mich nimmst. Es ist nicht das erste Mal. Nat&uuml;rlich Du bist ein freier Student und kannst machen was Du willst. Jeder ist nicht so gl&uuml;cklich. Da mu&szlig; man doch R&uuml;cksichten nehmen, zum Kuckuck. Ich bin zwar Dein Freund, aber deshalb hat man mir noch meinen Beruf nicht abgenommen. – Er zeigte das durch Hin&#151; und Hersch&uuml;tteln der flachen H&auml;nde. Mu&szlig; ich aber nach Deinem jetzigen Mundwerk nicht glauben, da&szlig; Du mehr als genug ausgeschlafen bist sagte Oskar der sich auf einen Bettpfosten hinaufgezogen hatte von wo er den Ingenieur ansah als habe er schon etwas mehr Zeit wie fr&uuml;her. Also was willst Du eigentlich von mir? oder besser gesagt warum hast Du mich geweckt fragte der Ingenieur und rieb sich stark den Hals unter seinem Ziegenbart in dieser n&auml;hern Beziehung, die man nach dem Schlaf zu seinem K&ouml;rper hat. Was ich von Dir will sagte Oskar leise und gab dem Bett einen Sto&szlig; mit dem Fu&szlig;absatz. Sehr wenig. Ich habe es Dir doch schon aus dem Vorzimmer gesagt: da&szlig; Du Dich anziehst. Wenn Du damit Oskar andeuten willst, da&szlig; mich Deine Neuigkeit sehr wenig interessiert, so hast Du ganz recht. Das ist ja gut, so wird das Feuer, in das sie Dich setzen wird, ganz auf ihre eigene Rechnung gehn, ohne da&szlig; sich unsere Freundschaft eingemischt h&auml;tte. Die Auskunft wird auch klarer sein, ich brauche klare Auskunft, das halte Dir vor Augen. Wenn Du aber vielleicht Kragen und Kravatte suchst, sie liegen dort auf dem Sessel. Danke sagte der Ingenieur, und fieng an Kragen u. Kravatte zu befestigen auf Dich kann man sich halt doch verlassen.]]></description>
<link>http://kafka.metameat.net/archives/191102.php?de#000126</link>
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<pubDate>Sat, 16 Sep 2006 11:10:13 -0800</pubDate>
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<title>Marc Henry&amp;#151;Delvard</title>
<description><![CDATA[<p>Marc Henry&#151;Delvard. Das durch den leeren Saal erzeugte tragische Gef&uuml;hl im Zuschauer beg&uuml;nstigt die Wirkung ernster Lieder, schadet den lustigen.&#151;Henry prologiert, unterdes die Delvard hinter einem Vorhang, der, was sie nicht wei&szlig; durchscheinend ist sich die Haare ordnet.&#151;Wetzler der Veranstalter scheint bei schlechtbesuchten Veranstaltungen seinen assyrischen Bart, der sonst tiefschwarz ist, graumeliert zu tragen.&#151;Gut sich von so einem Temperament anblasen zu lassen, das h&auml;lt f&uuml;r 24 Stunden, nein nicht solange.&#151;Viel Kleideraufwand, bretonische Kost&uuml;me, der unterste Unterrock ist der l&auml;ngste, so da&szlig; man den Reichtum von der Ferne z&auml;hlen kann.&#151;Zuerst begleitet die Delvard, weil man einen Begleiter sparen wollte, in einem weiten ausgeschnittenen gr&uuml;nen Kleid und friert.&#151;Pariser Stra&szlig;enrufe. Zeitungsaustr&auml;ger sind ausgelassen.&#151;Jemand spricht mich an, ehe ich aufatme bin ich verabschiedet.&#151;Delvard ist l&auml;cherlich, sie hat das L&auml;cheln alter Jungfern, eine alte Jungfer des deutschen Kabarets, mit einem roten Shawl, den sie sich hinter dem Vorhang holt, macht sie Revolution, Gedichte von Dauthendey mit der gleichen z&auml;hen nicht zu zerhackenden Stimme. Nur wie sie frauenhaft anfangs am Klavier sa&szlig;, war sie lieb.&#151;Bei dem Lied &#171;a Batignolles&#187; sp&uuml;rte ich Paris im Hals. Batignolles soll rentnerhaft sein, auch seine Apachen. Bruant hat jedem Quartier sein Lied gemacht.]]></description>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Sat, 09 Sep 2006 10:30:02 -0800</pubDate>
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<title><![CDATA[Als w&auml;re ich eines zweiten Lebens ganz gewi&szlig;]]></title>
<description><![CDATA[<p>21. II 11 Mein Leben hier ist so, als w&auml;re ich eines zweiten Lebens ganz gewi&szlig;, so wie ich z. B. den mi&szlig;lungenen Aufenthalt in Paris im Hinblick darauf verschmerzte, da&szlig; ich danach streben werde bald wieder hinzukommen. Hiebei der Anblick der scharf getrennten Licht- und Schattenpartien auf dem Gassenpflaster.</p>

<p>Einen Augenblick f&uuml;hlte ich mich umpanzert.</p>

<p>Wie fern sind mir z. B. die Armmuskeln.]]></description>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 09:47:52 -0800</pubDate>
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<title>Kleist Jugendbriefe</title>
<description><![CDATA[<p>Kleist Jugendbriefe 22 Jahre alt. Gibt den Soldatenstand auf. Zuhause fragt man: Also welche Brodwissenschaft, denn die hielt man f&uuml;r selbstverst&auml;ndlich. Du hast die Wahl zwischen Jurisprudenz u. Kameralwissenschaft. Aber hast Du auch Konnexionen bei Hofe? &#171;Ich verneinte anf&auml;nglich etwas verlegen, aber erkl&auml;rte darauf umso viel stolzer, da&szlig; ich wenn ich auch Konnexionen h&auml;tte, mich nach meinen jetzigen Begriffen sch&auml;men m&uuml;&szlig;te, darauf zu rechnen. Man l&auml;chelte, ich f&uuml;hlte, da&szlig; ich mich &uuml;bereilt hatte. Solche Wahrheiten mu&szlig; man sich h&uuml;ten auszusprechen&#187;]]></description>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 09:32:50 -0800</pubDate>
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<title>Die jungen reinen gut gekleideten Jungen</title>
<description><![CDATA[<p>Die jungen reinen gut gekleideten Jungen neben mir im Promenoir erinnerten mich an meine Jugend und machten daher einen unappetitlichen Eindruck auf mich.]]></description>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 09:32:08 -0800</pubDate>
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<title><![CDATA[Kleine St&auml;dte haben auch kleine Umgebungen]]></title>
<description><![CDATA[<p>Kleine St&auml;dte haben auch kleine Umgebungen f&uuml;r den Spazierg&auml;nger.]]></description>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 09:30:48 -0800</pubDate>
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<title>Mella Mars in der &amp;#171;Lucerna&amp;#187;</title>
<description><![CDATA[<p>20. II 11</p>

<p>Mella Mars in der &#171;Lucerna&#187;. Eine witzige Trag&ouml;din, die gewisserma&szlig;en auf einer verkehrten B&uuml;hne so auftritt, wie sich Trag&ouml;dinnen manchmal hinter der Szene zeigen. Beim Auftreten hat sie ein m&uuml;des, allerdings auch flaches leeres altes Gesicht, wie dies f&uuml;r alle bewu&szlig;ten Schauspieler ein nat&uuml;rlicher Anlauf ist. Sie spricht sehr scharf auch ihre Bewegungen sind so von dem durchgebogenen Daumen angefangen, der statt der Knochen harte Sehnen zu haben scheint. Besondere Wandlungsf&auml;higkeit ihrer Nase durch die wechselnden Lichter und Vertiefungen der ringsherum spielenden Muskeln. Trotz der ewigen Blitze ihrer Bewegungen und Worte pointiert sie zart.]]></description>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Tue, 05 Sep 2006 09:26:34 -0800</pubDate>
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<title>Wirst Du noch lange hier bleibende</title>
<description><![CDATA[<p>&#171;Wirst Du noch lange hier bleibende&#187; fragte ich. Bei dem pl&ouml;tzlichen Reden flog mir etwas Speichel als schlechtes Vorzeichen aus dem Mund.</p>

<p>St&ouml;rt&#8217;s Dich? Wenn es Dich st&ouml;rt oder vielleicht vom Hinaufgehn abh&auml;lt gehe ich gleich, sonst aber bliebe ich noch gern, weil ich m&uuml;de bin.]]></description>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Mon, 04 Sep 2006 15:44:40 -0800</pubDate>
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<title>Die besondere Art meiner Inspiration</title>
<description><![CDATA[<p>19. II 11</p>

<p>Die besondere Art meiner Inspiration in der ich Gl&uuml;cklichster und Ungl&uuml;cklichster jetzt um 2 Uhr nachts schlafen gehe [sie wird vielleicht, wenn ich nur den Gedanken daran ertrage, bleiben, denn sie ist h&ouml;her als alle fr&uuml;heren] ist die, da&szlig; ich alles kann, nicht nur auf eine bestimmte Arbeit hin. Wenn ich wahllos einen Satz hinschreibe z. B. Er schaute aus dem Fenster so ist er schon vollkommen.]]></description>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Sun, 03 Sep 2006 09:29:54 -0800</pubDate>
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<title>Bin ich einfach zusammengeklappt</title>
<description><![CDATA[<p>19/ II 11</p>

<p>Wie ich heute aus dem Bett steigen wollte bin ich einfach zusammengeklappt. Es hat das einen sehr einfachen Grund, ich bin vollkommen &uuml;berarbeitet. Nicht durch das Bureau aber durch meine sonstige Arbeit. Das Bureau hat nur dadurch einen unschuldigen Anteil daran, als ich, wenn ich nicht hinm&uuml;&szlig;te, ruhig f&uuml;r meine Arbeit leben k&ouml;nnte und nicht diese 6 Stunden dort t&auml;glich verbringen m&uuml;&szlig;te, die mich besonders Freitag und Samstag, weil ich voll meiner Sachen war gequ&auml;lt haben da&szlig; Sie es sich nicht ausdenken k&ouml;nnen. Schlie&szlig;lich das wei&szlig; ich ja ist das nur Geschw&auml;tz, schuldig bin ich und das Bureau hat gegen mich die klarsten und berechtigsten Forderungen. Nur ist es eben f&uuml;r mich ein schreckliches Doppelleben, aus dem es wahrscheinlich nur den Irrsinn als Ausweg gibt. Ich schreibe das bei gutem Morgenlicht und w&uuml;rde es sicher nicht schreiben, wenn es nicht so wahr w&auml;re und wenn ich sie nicht so liebte wie ein Sohn.</p>

<p>Im &uuml;brigen bin ich morgen schon wieder sicher beisammen und komme ins Bureau, wo ich als erstes h&ouml;ren werde, da&szlig; Sie mich aus Ihrer Abteilung weghabenwollen.]]></description>
<link>http://kafka.metameat.net/archives/191102.php?de#000127</link>
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<category>1911.02</category>
<pubDate>Sat, 02 Sep 2006 09:56:24 -0800</pubDate>
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